Unser ABC der Gesamtschule

 

Eltern, liebe Schülerinnen und Schüler, liebe Interessierte!


Wohl kaum eine Entscheidung, wie die Wahl der Schulform nach der Grundschule, hat für die Zukunft der Kinder eine so entscheidende Bedeutung. Diese Entscheidung soll zu einem Zeitpunkt getroffen werden, wo die Entwicklung von Kindern sich entwicklungspsychologisch in einem Umbruch befindet. Diesem Übergang von der Kindheit zur Jugendzeit wird allgemein bildungspolitisch Rechnung getragen

  • durch eine Verlängerung der Grundschulzeit auf 6 Jahre,
  • durch eine eigenständige Orientierungsstufe nach der Grundschulzeit
  • durch Gesamtschulen, als eine „Schule für alle“

In NRW haben die Eltern mit ihren Kindern die Pflicht, eine weiterführende Schule nach Beendigung der Grundschulzeit mit dem 4. Schuljahr zu suchen. Diese Schrift soll einen Beitrag liefern, in dieser Wahl sicherer zu werden. Sie soll Informationen zu der Anita-Lichtenstein-Gesamtschule Geilenkirchen geben.


Diese Schule in Geilenkirchen ist eine Gesamtschule, die als einzige Schulform neben dem Gymnasium ohne Schulwechsel alle Schulabschlüsse bis zum Abitur nach Klasse 13 vergeben kann.

  • Sie ist eine Schule für alle Kinder
  • Kinder werden hier umfassend gefordert und gefördert
  • Kinder fühlen sich hier sehr wohl, es wird viel gelernt und gut gelebt
  • Wie an anderen Gesamtschulen auch zu beobachten, sind frühere Gesamtschüler erfolgreich in Ausbildung, Studium und Beruf.

Neben den allgemeinen Informationen zu den Besonderheiten einer Gesamtschule soll diese Schrift aber auch informieren über das reiche Schulprogramm dieser Schule.

Damit glaube ich, ist eine gute Orientierungshilfe gegeben, die eines allerdings nicht ersetzen kann: die Begegnung und das Anschauen vor Ort.
Bitte nutzen Sie die Gelegenheit z.B. bei einem Tag der offenen Tür, bei einem Schulfest oder einer Informationsveranstaltung diese modern eingerichtete Schule mit den nach neuesten Erkenntnissen eingerichteten naturwissenschaftlichen Fachräumen zu besuchen. Mit einer Mensa und dem Sportzentrum einschließlich der Schwimmhalle liegt diese Schule abseits des Verkehrstrubels im Stadtteil Bauchem, inmitten von Feldern und einem neuen Wohngebiet.
Also viel Vergnügen bei der Lektüre dieser Schrift und jetzt schon ein herzliches Willkommen bei einem Besuch und ganz wichtig: eine gute Entscheidung bei der Wahl der Schulform!
Freuen würde ich mich, wenn die Wahl auf die Anita-Lichtenstein-Gesamtschule fallen würde, als einer Gesamtschule und Alternative zum gegliederten Schulwesen.

Uwe Böken, Schulleiter


Abschlüsse

Alle Gesamtschulen in Nordrhein-Westfalen vergeben folgende Abschlüsse:

  • den Hauptschulabschluß nach Klasse 9;
  • den Sekundarstufenabschluss I nach Klasse 10;
  • die Fachoberschulreife nach Klasse 10;
  • die Fachoberschulreife mit Qualifikationsvermerk zum Übergang in die Sekundarstufe II nach Klasse 10;

 

Begabt ist jedes Kind. Aber jede Begabung hat ihr eigenes Profil. Sie kann fachlich oder sozial orientiert sein, sowohl im theoretischen als auch im praktischen Bereich. Sie kann sich einseitig oder vielschichtig äußern. Dies zu entdecken und zu fördern ist unser Ziel. Die Gesamtschule mit ihren flexiblen Wahlmöglichkeiten und Leistungsanforderungen in unterschiedlichen Kursen (Differenzierung) kann dabei den individuellen Begabungen jedes Kindes besonders gerecht werden. So kann ein Kind, das z.B. eine naturwissenschaftliche Begabung hat, aber wenig Neigung zu sprachlichen Fächern zeigt, in Kursen unterrichtet werden, die seinen besonderen Fähigkeiten und Schwächen entsprechen. Das hat zur Folge: Punktuelle Schwächen stellen keine Gefahr für einen insgesamt qualifizierten Schulabschluß dar.


Chancengleichheit heißt, jedem Kind unabhängig von seiner Herkunft, die gleiche Chance zu eröffnen, es nach seinen Fähigkeiten, Neigungen und Begabungen zum höchstmöglichen Schulabschluß zu führen. Nicht Auslese, sondern Integration ist damit ein entscheidendes Prinzip unserer Gesamtschule. Ein politisch zwar umstrittenes, aber im höchsten Maße demokratisches Ziel, denn: Chancengleichheit hilft mit, gesellschaftliche Schichten durchlässiger zu machen und soziale Ungerechtigkeiten zu verhindern. Nur wenn Kinder aller sozialen Schichten mit ihren unterschiedlichen Kompetenzen zusammen lernen, können sie als Erwachsene füreinander in gemeinsamer sozialer Verantwortung als gleichberechtigte Partner demokratisches Handeln ernstnehmen.


Differenzierung gibt es in der Gesamtschule als äußere, innere und Wahlpflicht-Differenzierung. Auf die unterschiedliche Leistungsfähigkeit der Schülerinnen und Schüler, die gemeinsam in einer Klasse unterrichtet werden, wird im binnendifferenzierten Unterricht eingegangen, indem unterschiedliche Aufgaben und Fragestellungen mit verschiedenen Schwierigkeitsgraden in den Unterricht einfließen. Ab dem 7. Jahrgang werden in der äußeren Differenzierung in einer zunehmenden Zahl von Fächern Fachleistungskurse gebildet, d. h. die Schülerinnen und Schüler werden Grund- oder Erweiterungskursen zugewiesen. Dieses differenzierte Kursangebot in den Fächern Mathematik, Englisch (7. Jahrgang), Deutsch (8. Jahrgang), Chemie (9. Jahrgang) und Physik (10. Jahrgang) gewährleistet, daß der Schüler in einer Lerngruppe arbeitet, die seinem jeweiligen Lernstand entspricht. Mit Beginn des 7. bzw. 9. Schuljahres können die Schülerinnen und Schüler ihre persönlichen Begabungsprofile durch die Neigungswahl eines persönlichen Schwerpunkts im Wahlpflichtbereich I und II (Wahlpflichtunterricht) vertiefen.


Elternarbeit. Elternmitarbeit ist an der Gesamtschule an vielen Stellen möglich und erwünscht. So werden neben den im Schulmitwirkungsgesetz verankerten Formen z.B. in einigen Klassen Elterntreffen und Elternstammtische angeboten, die in zwanglosem Rahmen ein Kennenlernen und einen Gedankenaustausch über die Schülerinnen und Lehrern der Klassen gemeinsam gestaltet und durchgeführt werden. Im Ganztagsbetrieb der Gesamtschule besteht für die Eltern, die es wünschen, die Möglichkeit mitzuarbeiten. So bieten Eltern Arbeitsgemeinschaften an, helfen bei der Spieleausleihe und arbeiten im Offenen Angebot mit. So wird der Ganztagsbereich zu einem Lebens- und Gestaltungsraum für Eltern, Lehrer, Schülerinnen und Schüler.


Fördern und Fordern sind zwei Prinzipien, mit denen wir als Gesamtschule versuchen, den unterschiedlichen Lernvoraussetzungen der Kinder Rechnung zu tragen. Zu Beginn ihrer Schulzeit an dieser Schule bezieht sich die Förderung hauptsächlich auf das Fach Deutsch. Hier sollen möglichst alle Kinder ein gemeinsames Fundament bekommen, das es ihnen erlaubt, sich schriftlich und mündlich angemessen auszudrücken. Ab Klasse 6 bezieht sich der Förderunterricht überwiegend auf die Schlüsselstellen der weiteren Schullaufbahn. Werden z.B. Englisch und Mathematik nach der sechsten Klasse in Grund- und Erweiterungskurse differenziert, so bieten wir Förderkurse an für Schülerinnen und Schüler, die mit Unterstützung bessere Chancen haben, dem Erweiterungskurs zugewiesen zu werden. In den Jahrgängen 9 und 10, in denen es um einen optimalen Abschluß geht, findet wiederum möglichst Förderung in den schriftlichen Fächern statt. Dies geschieht dann auch im Hinblick auf die Oberstufe. Auch im 11. Jahrgang bieten wir den Schülerinnen und Schülern die Möglichkeit der Angleichung in den Fächern Englisch, Deutsch und Mathematik an. Mit diesem ausgefeilten System der unterstützenden Maßnahmen, das an dieser Stelle nur zu einem kleinen Teil erläutert werden kann, wird auf alle Kinder mit ihren verschiedenen Begabungen und Neigungen sowie ihrem unterschiedlichen Lerntempo eingegangen.


Ganztag. Die Anita-Lichtenstein-Gesamtschule wird als Ganztagsschule betrieben. Für Sie bedeutet dies, dass Ihr Kind bis 15.05 bzw. 15.55 Uhr in der Schule ist. Lediglich der Dienstag ist eine Ausnahme, da der Unterricht dann um 13.25 Uhr schließt, damit die Lehrerinnen und Lehrer an diesem Nachmittag Konferenzen und andere Besprechungen haben können.
Dieses Konzept beinhaltet, dass unsere Schülerinnen und Schüler auch einen großen Teil ihrer Freizeit in der Schule verbringen. Während der einstündigen Mittagspause haben sie die Möglichkeit, in unserer wunderschönen Mensa zu essen. Zur Entspannung stehen verschiedene Einrichtungen zur Verfügung: Kinder, die sportlich interessiert sind, können Basketball, Fußball, Tischtennis, Kicker, usw. spielen. Für die älteren steht ein Billard zur Verfügung. Diejenigen, die mit Freunden Gesellschaftsspiele machen oder sich nur unterhalten wollen, haben auch dazu die Möglichkeit. Völlig abschalten und eine Phantasiereise machen kann man im offenen Angebot (OA) Entspannung. Für musisch interessierte Schülerinnen und Schüler stehen Keyboards zur Verfügung, wo unter Anleitung geübt werden kann. Auch im Informatikraum kann an 15 PCs gearbeitet werden.
An einem Nachmittag in der Woche finden AGs statt. Sie sind alle freiwillig und werden für ein Halbjahr gewählt. Wenn Ihr Kind keine AG belegen möchte, muß dies von Ihnen schriftlich bestätigt werden. So wissen Sie immer über den Verbleib Ihres Kindes Bescheid.
Auch im AG-Bereich steht eine große Vielfalt an verschiedenen Kursen zur Auswahl. Sehr gefragt sind die Arbeitsgemeinschaften aus dem Bereich Sport: Basketball, Handball, Fußball, Schwimmen und Judo sind immer im Programm. Auf dem kreativen Sektor stehen Töpfern, meditatives Malen, Sticken, Theater spielen und Fotographie zur Auswahl. Mehrere Schülerbands und ein Chor bereichern unser Programm. Neuigkeiten unseres Schullebens und der Umgebung werden durch die AGs Schülerzeitung und Schulradio verbreitet. Wer Spaß am Arbeiten in der Natur hat, kann im Schulgarten sowie in der Imkerei mithelfen.
Dazu versuchen wir, mit Vereinen und anderen außerschulischen Trägern zusammen zu arbeiten. So findet zusammen mit dem Schachverein eine Schachgruppe statt. Das DRK bietet einen Erste-Hilfe-Kurs an. Die katholische Pfarre St. Marien zeigt unseren Jungen und Mädchen ihre Möglichkeiten für Spiel und Spaß im Pfarrheim New-Com. Im Franziskusheim verbringen einige Mädchen und Jungen ihren AG-Nachmittag, wo sie mit den alten Menschen gemeinsam spielen, essen und trinken, spazieren gehen, kegeln oder singen. Diese AG wurde wegen ihrer guten Arbeit schon bundesweit geehrt.
Alle Eltern, die Zeit und Lust dazu haben, hier in der Schule mitzuarbeiten, können selbst eine AG anbieten. Wir sind immer froh, unser Angebot noch erweitern zu können.


Hausaufgaben. Es gibt verschiedene Gründe, weswegen Hausaufgaben wichtig sind: Nachbereiten des in der Schule gelernten Stoffes, Üben von Fertigkeiten und Fähigkeiten sowie Vorbereiten eines neuen Unterrichtsgegenstandes sind da zu nennen. Auch an dieser Schule müssen deshalb Schülerinnen und Schüler Hausaufgaben machen. Jedoch gibt es dafür bestimmte Regeln: Alle Kinder, die nachmittags bis zur 8. Stunde Unterricht haben, brauchen normalerweise anschließend keine schriftlichen Aufgaben mehr zu machen. An den Tagen, an denen der Unterricht nach der 6. Stunde schließt, müssen Hausaufgaben erledigt werden. Diese sind im 5. Jahrgang noch von sehr geringem Umfang. Sie steigen dann mit jeder Stufe leicht an, so daß die Schülerinnen und Schüler des 10. Jahrgangs regelmäßig für die einzelnen Fächer schriftlich zu Hause arbeiten müssen. Durch diese Form einer graduellen Steigerung lernen unsere Schülerinnen und Schüler, ihrem Alter entsprechend Verantwortung für ihre Schullaufbahn zu übernehmen.
Mündliche Übungen sollten alle Kinder ab dem 5. Schuljahr regelmäßig zu Hause erledigen. So sollte das Lernen der neuen Vokabeln täglich 10 Minuten lang erfolgen.

Integratives Lernen fördert Schülerinnen und Schüler mit unterschiedlichen Lernfähigkeiten, unterschiedlichen Interessen und Erwartungen an der Gesamtschule. So sollen Gemeinschaft und Gleichberechtigung erfahren und soziale Vorurteile abgebaut werden. Weiterhin will integratives Lernen die ganze Persönlichkeit des Lernenden mit seinen intellektuellen, emotionalen und körperlichen Fähigkeiten in den Unterrichtsprozeß einbeziehen. Lernen, das die Gefühle und den Körper des Kindes gleichrangig mit einbezieht, fördert nachhaltig auch die Fähigkeiten seines Verstandes und hilft, die Lebensprobleme des Heranwachsenden effektiver zu bewältigen als nur einseitiges Kopfwissen. Der Unterricht wird dem Bildungs- und Erziehungsauftrag der Gesamtschule nur dann voll gerecht, wenn der rationale Zugang zur Wirklichkeit durch die Förderung der Erlebnis- und unmittelbaren Ausdrucksfähigkeit erweitert wird.

Junge und/oder junggebliebene Lehrerinnen und Lehrer an der Gesamtschule sehen ihre Aufgabe nicht nur auf die Vermittlung von Fachwissen begrenzt. Sie sehen die Kinder nicht als Untergebene, sondern bemühen sich um eine Atmosphäre in den Klassen, die an die kindbezogene Arbeit der Grundschule anschließt. So sind Lehrer nicht nur Wissensvermittler, sondern auch Partner und Berater. Gesamtschullehrerinnen und -lehrern kommt zugute, daß sie von anderen Schulformen vielfältige Erfahrungen einbringen können.

Klassenräume sind für Schülerinnen und Schüler einer Gesamtschule Lebensräume. In ihnen müssen sie sich ein Stück wie zu Hause fühlen, ihre Spuren hinterlassen können. Das heißt für unsere Schule, daß Kinder und Lehrer/innen gemeinsam ihre Klassenräume einrichten, aber auch die offenen Bereiche des Schulgebäudes mitgestalten (Wandmalerei). Fotos vom letzten Wandertag und Klassenbücherei, Pin-Wand und Meckerkasten, Zeichnungen und Objekte aus allen Fächern, sowie Ausstellungsecke und Pflanzen geben jedem Klassenraum sein individuelles Gesicht. Dabei lernen die Kinder, sich in ihren unterschiedlichen Vorstellungen zu einigen, sie planvoll umzusetzen und dann Verantwortung zu übernehmen.

Lichtenstein. Seit etwa 200 Jahren sind jüdische Einwohner in Geilenkirchen nachgewiesen. Sie waren angesehene Kauf- und Handelsleute. Bis zu ihrer Vertreibung zählte die jüdische Gemeinde etwa 130 Mitglieder. Sie hatte ihre eigene Synagoge, ihren Friedhof und ihren Religionslehrer. In dieser Gemeinde lebten auch Anita und ihre Eltern. Anita war das einzige Kind. Ihr Urgroßvater väterlicherseits, Hermann Lichtenstein, war Pferdehändler in Waldenrath. Der Großvater war ebenfalls Pferdehändler und von Straeten nach Geilenkirchen gezogen. Anitas Mutter Johanna, geb. Hartoch, kam aus Essen-Rüttenscheid. Vater Sally Lichtenstein führte den Pferdehandel seines Vaters weiter. Nachdem in der Landwirtschaft der Traktor das Pferd immer mehr verdrängte, bot der Pferdehandel kein ausreichendes Einkommen mehr. So betrieb Vater Lichtenstein eine Hühnerfarm. Seit 1933 sah sich die jüdische Bevölkerung immer größeren Schikanen und Diskriminierungen ausgesetzt. Ein vorläufiger Höhepunkt war die Pogromnacht vom 09. November 1938. In dieser Nacht wurden die Geilenkirchener Juden aus ihren Häusern vertrieben und zur niederländischen Grenze gebracht. Die niederländischen Behörden verweigerten die Einreise. So kehrten sie wieder in ihre Häuser zurück. Manche verließen dann Geilenkirchen freiwillig, um zu auswärtigen
Verwandten oder zu Freunden in der Umgebung Geilenkirchens zu gehen. So zogen Anita und ihre Eltern zur Schwester von Sally Lichtenstein nach Düren, weil sie sich dort wohl sicherer fühlten, als in Geilenkirchen.
Schreinermeister Schiffers erinnerte sich, dass er als Schüler die Vertreibung beobachtet hatte. Er sah, wie Familie Lichtenstein nur mit einigen Taschen bepackt aus ihrem Haus in der Martin-Heyden-Straße getrieben wurde. Dabei
hörte er die fünfjährige Anita fragen: "Mutti wohin gehen wir?" Doch die Mutter konnte dem Kind keine Antwort geben.
Nach etwa zwei Jahren wurden die jüdischen Mitbürger Dürens, zu denen ja mittlerweile auch die Lichtensteins gehörten, in das Sammellager „Gerstenmühle“ in Düren verbracht. In dieses Lager kam dann im März 1941
auch Elfriede van der Weyden, ein Mädchen aus Düren, zusammen mit ihrer jüdischen Mutter. Anita und Elfriede freundeten sich im Sammellager an. Elfriede war wie ihr Vater katholisch getauft. Während Elfriede am Weißen Sonntag 1942 Erstkommunion feierte, wurde ihre Mutter in der Kirche verhaftet und später in das Konzentrationslager
Theresienstadt gebracht. Elfriede wurde zunächst von einer Familie aus Düren mit nach Hause genommen und später von ihren Pflegeeltern in einem Waisenhaus versteckt. So konnte sie die schreckliche Zeit überleben und nach dem Krieg ihre Mutter wieder finden. Als Elfriede und ihre damals neunjährige Freundin Anita sich trennen mussten, bat Anita: "Elfriede, verwahr mir bitte die Puppe. Von Dir weiß ich, dass Du sie mir zurückgeben wirst. Du darfst auch damit spielen." Danach wurde Familie Lichtenstein ins Konzentrationslager Maydanek gebracht, wo sie wie unzählige ihrer jüdischen und anderen Leidensgenossen ermordet wurde. Als Todeszeitraum nimmt man den Oktober 1942 an. Die
Todeserklärung lautet auf den 1. Oktober. Es steht mit Sicherheit fest, dass außer der Familie Lichtenstein noch
mindestens 85 Mitglieder der jüdischen Gemeinde Geilenkirchens in den Konzentrations- und Vernichtungslagern ermordet worden sind. Das Schicksal wollte es, dass Elfriede van der Weyden nach ihrer Hochzeit als Elfriede Goertz nach Geilenkirchen kam. Die Puppe, die Elfriede, also Frau Goertz, bis heute liebevoll verwahrt hat und auch restaurieren ließ, ist das einzige Sichtbare, das uns heute an Anita Lichtenstein erinnert.

Mammutschulen. Das häufig anzutreffende Vorurteil, Gesamtschulen seien Mammutschulen, wird durch viele Studien eindeutig widerlegt. All diese Untersuchungen haben gezeigt, daß die Gestaltung des inneren sozialen Raumes wesentlich wichtiger ist als die Größe der Schule. Die Gesamtschule ist in überschaubare Abteilungen gegliedert:
Jahrgangsstufen 5/6/7, 8/9/10 und die gymnasiale Oberstufe. Jede Abteilung bildet praktisch eine Stufe für sich. Die Lehrer der jeweiligen Stufe arbeiten eng zusammen.

Neigungen. Am Ende der Grundschule stehen Eltern vor der wichtigen Entscheidung, welche Schulform ihr Kind demnächst besuchen soll. Eltern, Lehrer und Schüler legen im Verlauf der Schulzeit an der Gesamtschule gemeinsam und schrittweise fest, welcher Bildungsgang und Abschluß den persönlichen Fähigkeiten und Neigungen des einzelnen Schülers am besten entspricht. Dabei haben Gesamtschüler die Möglichkeit, aus dem gesamten Lernangebot ihrer Schule ihren individuellen Bildungsgang zusammenzustellen und auf diesem persönlichen Weg einen der üblichen Schulabschlüsse zu erwerben. In der Sekundarstufe II schließt sich, wie beim Gymnasium, die gymnasiale Oberstufe mit den Jahrgangsstufen 11 bis 13 an. Die gymnasiale Oberstufe der Gesamtschule bietet den Schülerinnen und Schülern die Möglichkeit, ihren Neigungen und Fähigkeiten entsprechend, Leistungs- und Grundkurse zu wählen.


Oberstufe, Sekundarstufe II. Die Oberstufe der Gesamtschule ist identisch mit der Sekundarstufe II des Gymnasiums, der reformierten Oberstufe. Durch die Wahl der Leistungs- und Grundkurse bestimmen die Schüler/innen ihren persönlichen Bildungsgang. Die gymnasiale Oberstufe der Gesamtschule schließt mit der Abiturprüfung ab. Wer das Abitur besteht, besitzt die allgemeine Hochschulreife, die zum Studium an allen Universitäten oder anderen Hochschulen berechtigt. Der Erwerb, der von allen Bundesländern anerkannten allgemeinen Hochschulreife, setzt voraus, daß u.a. eine zweite Fremdsprache erlernt worden ist. Für Abiturienten, die eine Berufsausbildung beginnen, wird die Ausbildungszeit in den meisten Fällen verkürzt. Unter bestimmten Bedingungen können Schüler, die die gymnasiale Oberstufe der Gesamtschule nach den Jahrgangsstufen 12/13 (ohne Abitur) verlassen, die Fachhochschulreife erlangen.


Partnerschaft. Partnerschaftliches Arbeiten ist heute in fast allen Berufen eine Voraussetzung, und daher muß es auch in der Schule gelernt werden. Unsere Schülerinnen und Schüler sitzen an Gruppentischen, wo sie miteinander arbeiten können. Sie werden darin geschult, sich gegenseitig zu helfen. Wenn ein Kind eine Aufgabe nicht verstanden hat, kann es Hilfe eines „Experten“ für das Fach erhalten, während es selbst „Experte“ in einem anderen Fach ist.
Eine andere Form der Partnerschaft ist die Mitarbeit vieler Eltern in der Schule. Väter und Mütter übernehmen AGs oder betreuen offene Angebote in der Mittagszeit. Von diesem Einsatz profitieren alle: die Eltern gehen gern mit den Kindern um, das Angebot für die Kinder wird vergrößert und die Schule wird attraktiver und lebendiger. Nicht nur Eltern tragen dazu bei, die Schule nach außen zu öffnen, auch Sportvereine und außerschulische Träger wie z.B. der Schachverein, das Franziskusheim, die katholische und evangelische Kirchengemeinde und das Rote Kreuz bereichern durch ihre partnerschaftliche Beziehung zu unserer Schule unser Schulleben in hohem Maße.
Eine sehr wichtige Partnerschaft besteht mit dem Förderverein. Seine Mitglieder helfen mit bei der Gestaltung von Schulfesten, basteln gemeinsam mit Lehrern Gegenstände, die dann z.B. auf dem Nikolausmarkt verkauft werden, gestalten die Cafeteria bei Elternsprechtagen, etc. Nicht zuletzt hat der Förderverein durch finanzielle Unterstützung die Anschaffung von Geräten und die Durchführung von Projekten und Fahrten erst ermöglicht.